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..... 1.Fazit

Mai 2010

Mittlerweile wohnen wir schon 2 3/4 Jahre in Nordschweden und wer die NEWS regelmässig verfolgt hat, wird gemerkt haben, dass wir das Auswandern noch nicht bereut haben. Hier nochmals eine kleine Zusammenfassung: (Was bisher geschah:)

Wir fingen an mit einem Sprachkurs nur für Meike und mich und wurden gleichzeitig mit dem schwedischen Gesundheitssystem vertraut gemacht. Nach einigen Monaten hatten wir dann auch eigene Patienten, ganz alleine. Am Anfang wars vielleicht noch ein bisschen holprig, aber wir wurden schnell immer besser. Da man noch nicht fertiger Spezialist ist, wird auch nicht erwartet, dass man genauso viel schafft und kann wie ein Spezialist. Die Ausbildungsordnung sieht vor, dass man ungefähr 60% der Effektivität eines erfahrenen Facharztes veranschlagen sollte. Und so wurde es dann auch gemacht. Wir hatten -für deutsche Verhältnisse- unglaublich viele Kurse und Ausbildungen, die wir besuchten. Natürlich bei voller Bezahlung und Kostenübernahme durch den Arbeitgeber. Ausserdem haben wir schon einige Praktika an grösseren Kliniken gemacht, um die Sachen zu lernen, die in Åsele selten vorkommen aber trotzdem wichtig sind. Bei diesen Praktika gilt auch, dass unsere Ausbildung im Vordergrund steht. Man wird z.B.  in der Chirurgie nicht als Hakenhalter verheizt, sondern arbeitet mit entsprechendem Back-Up in der Notaufnahme oder hat eine eigene Sprechstunde. So lernten wir also nach und nach die Sachen, die wir hinterher auch in Åsele brauchen. Unterstützung gibt es dabei durch unseren Tutor vor Ort und einem Studienrektor. Das sind erfahrene Kollegen, die auch genau wissen, welche Fähigkeiten wir unbedingt brauchen. In ca. 2 Jahren sind wir dann auch fertiger Facharzt. Oder wir geniessen noch ein bisschen das Leben als Weiterbildungsassistent...

Das Leben neben der Arbeit in Nordschweden ist beschaulich. Wir haben gleich zu Anfang ein Haus gekauft. Mittlerweile haben wir auch eine Schneeskooter, ein Boot, ein Campingbulli, eine Sauna und einen Kamin. Also bis auf ein Sommerhaus alles was man so gebrauchen könnte. Freizeitmässig stehen hier mehr Outdoor-Aktivitäten auf dem Programm als in Deutschland. Zum einem hat man jetzt mehr Zeit für sowas (bei max. 40-Std-Woche), zum anderen gibt es auch nicht soviel anderes. Also sind wir im Winter häufiger mal Skifahren, sowohl Langlauf als auch Abfahrt. Geeignete Gebiete gibt es genügend. Im Sommer wandern wir hier und da in den nahen Naturschutzgebieten oder in den Bergen. Ausserdem haben wir den Fluss hier in Åsele, da kann man immer Mal eine kleine Bootstour machen oder Angeln. Manchmal nehmen wir auch den Bulli und fahren durch die Gegend und campen.

Unsere Lebensqualität hat sich in Vergleich zu Deutschland deutlich verbessert. Wir arbeiten nur noch 40 Stunden pro Wochen und haben dadurch mehr Freizeit. Als Bonus verdienen wir auch noch mehr als vorher in Deutschland.
Sollte man mal Dienste machen, werden die hier grosszügig vergütet. Es gibt z.B. Zuschläge für unbequeme Arbeitszeit, für Wochenenden und Feiertage oder auch wenn man ungeplant einen Dienst übernehmen muss. Die Vergütung erfolgt in Form von Freizeit oder Geld. Ein kleines Beispiel aus dem Krankenhaus in  Lycksele: Für einen 24-Stunden-Samstag-Dienst bekommt man 42 Stunden (= 1 Freiwoche) gutgeschrieben. Muss man den Dienst ungeplant übernehmen, weil z.B. jemand krank wurde gilt der Faktor 2. Ebenso an Weihnachten, Ostern und Mittsommer. Da sind das dann 84 Stunden Kompensation für einen Dienst. Verlockend! Ausserdem gibt es sogar die Möglichkeit diese Freiwochen abzubummeln. Willkommener Extraurlaub.
Unser normales Monatsgehalt für 40-Wochenstunden ohne Dienst ist dann auch noch höher als das Gehalt was wir in Deutschland am Ende des Monat bekamen, obwohl wir dort wegen der Dienste 60-65 Wochenstunden hatten.
So gefällt uns das! Und deshalb haben wir auch noch kein einzigen Rückwanderungsgedanken gehabt.